Action Learning – Lernen handlungsorientiert

Action Learning – Lernen handlungsorientiert

Lernen berufstätiger Erwachsener baut auf einem vorhandenen Kenntnisstand auf und erweitert oder korrigiert ihn. Insoweit unterscheidet es sich auch von der berufsvorbereitenden Ausbildung von Jugendlichen , die durch Lernen auf Vorrat für eine späteren Einsatz im Beruf charakterisiert ist. Der Erfolg von Erwachsenenlernen im beruflichen Kontext ist sehr stark von der individuellen Lernmotivation der Lernenden abhängig, die erst durch die Verzahnung des Lernens mit dem Berufsverlauf durch geeignete Didaktik & Methodik erfolgreich wird.

Dieser Idee folgt das Action Learning, als dessen Vater der 1907 geb. britische Kernphysiker Reginald Revans gilt. Mitte der 40er Jahre wurde er Mitglied einer neu gebildeten Kohlebehörde in der Grafschaft Essex. Bei seinen Zechenbesuchen beeindruckte Revans, wie sich die überwiegend ungelernten Bergarbeiter in gemeinsamen Gesprächen vor Ort unterhielten und nach praktischen Lösungen suchten. Seine Schlussfolgerung, dass Wissen allein ein Produkt des Handelns und der gemeinsamen Reflexion ist, manifestierte sich schließlich in der Idee des Action Learning, die er in den nächsten Jahrzehnten ständig weiterentwickelte.

Revans hegte seit jeher ein tiefes Misstrauen gegenüber sogenanntem Expertenwissen, den gängigen Management- und Führungstheorien mit ihrem überwiegend direktivem Charakter stand er äußerst kritisch gegenüber. Stattdessen plädierte er dafür, sich in Lerngruppen von Gleichgesinnten offen über die eigene Unwissenheit auszutauschen und daraus die richtigen Fragen abzuleiten. [vgl. Arnold R., Krämer-Stürzl A., Siebert H. Dozentenleitfaden Cornelsen-Verlag 2011, S. 133f.]

Action Learning verfolgt das im beruflichen Erwachsenenlernen zur Anwendung kommende didaktische Prinzip der Selbstverantwortung für das Lernen hier in Form des gegenseitigen Lehrens die effektivste Form des Lernens ist. Die Mitarbeiter werden ermutigt, anderen Berufspraktikern ihre eigene Sichtweise der Probleme und ihre eigenen Lösungsvorstellungen zu erklären. Und dabei voneinander lernen. In seiner radikalsten Form bedeutet Action Learning, Menschen mit der Lösung eines Problems zu betrauen, dass völlig außerhalb ihres gewohnten Betätigungsfeldes liegt. Nur dann könnten sie sich nicht auf Ihr vermeintliches Fachwissen berufen und sind gezwungen, sich die Lösung des Problems gemeinsam durch Versuch und Irrtum zu erarbeiten.

Auch, wenn die Vorgabe fertiger Strukturen und Konzepte der Idee des Action Learning widerspricht, so gibt es doch einige charakteristische Merkmale und Voraussetzungen für das erfolgreiche Funktionieren:

  • Gegenstand der Bearbeitung ist ein reales und wirklich zu lösendes Problem mit unmittelbarem Bezug zum Arbeitsplatz, für das es keine vorgefertigte Lösung gibt;
  • es gibt einen Eigentümer, der das Problem einbringt und ein dringendes Interesse an der Problemlösung hat, in diesem Sinne fungiert er als Auftraggeber des Action Learning Programmes, gibt den konkreten Auftrag an die Lerngruppe und wird von dieser regelmäßig über den Stand des Projektes informiert;
  • Die Teilnehmer einer Lerngruppe engagieren sich aus eigenem Interesse an dem Programm und arbeiten uneigennützig an einer Lösung zugunsten des Auftraggebers;
  • Jeder Teilnehmer einer Lerngruppe sucht sich innerhalb der Organisation einen Förderer für regelmäßige persönliche Reflexionsgespräche;
  • Das Management unterstützt das Action Learning Programm und benennt eine verantwortliche Führungskraft, die während der Laufzeit des Programmes die Rolle des Trägers übernimmt und dafür sorgt, dass der Lerngruppe die nötigen Ressourcen zur Verfügung stehen;
  • Die Lerngruppe ist möglichst heterogen zusammengesetzt, um eine einseitige Überbewertung des Fachwissens zu vermeiden bzw. das Fachwissen einzelner Mitglieder der Lerngruppe dem gesunden Menschenverstand der anderen kritisch zu spiegeln

Die Ideen des Action Learning finden sich in der Praxis in zahlreichen Konzepten des arbeitsplatznahen Lernens wieder, zum Beispiel im Rahmen von kontinuierlichen Verbesserungsprozessen im Qualitätsmanagement.

Autor: Dorette Dülsner

Bild: Pixabay quality-686329_1280

Weiterführende Literaturangaben auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Action_Learning#Literatur