Didaktisches Potenzial digitaler Medien im Training

Didaktisches Potenzial digitaler Medien im Training

„Mobiles Lernen“ in der Erwachsenenbildung ist Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Die Stimmen hierzu reichen von kritischen Einwänden über Geräte mit Netzzugang in selbst bestimmten Händen der Lernenden bis hin zur Euphorie über die zumeist neu angeschafften mobilen Endgeräte und ihre Einsatzmöglichkeiten im Training, um aktuellen Anforderungen von Individualisierung, Partizipation oder Kooperation gleichermaßen besser nachkommen zu können. Gerade an der Integration von Tablets in Form eines netzbasierten Arbeitens mit digitalen Medien, die im Idealfall personalisiert, zumindest aber 1:1 vorhanden sind, zeigt es sich recht deutlich, dass Vor- und Nachteile nahe beieinander liegen.

Einerseits ist die Technik schnell verfügbar und bequem auf den Punkt einsetzbar, Daten stehen jederzeit im Netz zur Verfügung und es liegen eine große Vielfalt an Bildungsmedien vor, die verwendet werden können. Andererseits begibt man sich damit bewusst in eine Abhängigkeit von Technik, Netzfunktionalität und -sicherheit, die zumeist von Dritten bestimmt werden; ebenso kann die Angebotsvielfalt von Daten, Informationen und Bildungsmedien heute oft als Überforderung betrachtet werden. Diese Dinge müssen im Alltagen im Alltag handhabbar sein, bevor die didaktischen Potenziale wie Kommunikation und Interaktion sowie vermehrte Partizipation im Trainingsverlauf herausgestellt werden.

Die genannten Potenziale hängen jedoch nicht nur von der Technologie und den Rahmenbedingungen ab, sondern vor allem von den Trainern und ihrer Haltung zur Gestaltung von Lehrveranstaltungen mit digitalen Medien. Nur wer mit Abgabe von Kontrolle an die Lernenden professionell arbeiten kann, sowie in der Lage ist, sich und die Lernenden vor Überforderung durch zu viel Verantwortungsübernahme für den eigenen Lernprozess zu schützen, wird auch den Zeitaufwand, den der Einsatz mobiler Endgeräte und passender Methoden für ein verändertes Lernen und Lehren mit sich bringt, sinnvoll investiert wissen. Ansonsten schlägt der potenzielle didaktische Mehrwert, der mit mobilen Endgeräten einhergeht, in unnötigen technischen und didaktischen Aufwand um und wird letztlich zu einer zusätzlichen Last für die betreffenden Trainer und auch Lernenden, wenn sie keinen Sinn im Einsatz sehen. Praktisch lässt sich sagen, dass das Lernen sich mittels mobiler Endgeräte im institutionellen Bildungskontext in zeitlich, räumlich und sozial erweiterten Lernumgebungen stattfindet.

Eine Differenzierung hinsichtlich des Lernens mit digitalen Medien ist auch bezüglich der Einsatzformen anzuschauen. Heißt  die Verwendung von persönlichen, digitalen Endgeräten, dass man zu jeder Zeit und an jedem Ort lernen muss und nicht nur kann? Wird das Wissen auf kleine Lernhäppchen reduziert, die sich eben noch an der Haltestelle aneignen lassen? Und welche Formen von Lernen und des Wissenserwerbs werden überhaupt gefördert? Wie sieht es aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus? Wie sind z.B.  im Hinblick auf die relativ hohen Beschaffungskosten von Tablets möglichst innovative Lernszenarien zu rechtfertigen, die über die Verwendung der Geräte lediglich als ‚Surfbretter‘ am Platz hinausgehen? Vor diesem nur ausgewählten wenigen Fragen erscheint es auf den ersten Blick durchaus nachvollziehbar, dass nicht alle die neuen Endgeräte mit ihren technischen Möglichkeiten und didaktischen, sozialen und medienbezogenen Potenzialen als Bereicherung im eigenen Training sehen.

Doch auf den zweiten Blick zeigt sich zugleich, dass gerade diese relativ kleinen, flexiblen und häufig störungsfreien Endgeräte jede Form von Training, idealerweise solche Trainings, die in ihren Grundzügen zeitgemäß sind und eine stärker lernorientierte Form von Lehren, Lernen und Prüfen ermöglicht, sinnvoll bereichern können. Gerade diese Geräte eigenen sich beispielsweise in der Erwachsenbildung, um vor dem eigentlichen Training vorbereitende Literatur und Aufgaben zur Verfügung zu stellen, mit dem Ziel, die Gruppe zu Beginn der Ausbildung auf einen bestimmten Wissensstand zu bringen, sich Fragen zu notieren. Nach und nach sammeln so Lernende und Trainer ihre Erfahrungen und die Szenarien unter Verwendung mobiler Endgeräte, ggf. ergänzt durch Soziale Medien wie Weblog, Wiki oder Lernplattform und können dann das gesamte Spektrum der methodischen Vielfalt beim Lernen mit mobilen Endgeräten ausschöpfen.

Dass es sich lohnt, sich auf diese Entwicklung einzulassen, wird mit Blick auf die Bedeutung der Gewinnung und des Verhaltens gerade junger Menschen deutlich. Ein Blick in die aktuellen Mediennutzungszahlen von Jugendlichen (JIM-Studie 2013, S. 59ff.) zeigt: 96% der Jugendlichen von 12 bis 19 Jahren besitzen heute ein Handy und davon mittlerweile 72% ein internetfähiges Smartphone. Für sie spielen Messenger-Apps wie Community-Apps die wichtigste Rolle, wobei das Handy insgesamt als persönlicher Gegenstand betrachtet wird. Schon jetzt besitzen auch die ersten Jugendlichen heute ein eigenes Tablet (14%), wobei die Ausstattung mit Tablets in den Haushalten, in denen Jugendlichen leben, sich von 19 auf 36 gegenüber 2012 gesteigert hat. 1)

Autor: Dorette Dülsner

Bild: pixabay.com iPad 527611_1280

Weiterführende Studie:

1) MPFS – Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2013): JIM-Studie 2013 – Jugend, Information, (Multi-)Media. Basisstudie zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland. Verfügbar unter: http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf13/JIMStudie2013.pdf [02.12.2013]