Trend 5: Führungskräfte als Sparringpartner

Trend 5: Führungskräfte als Sparringpartner

Unsere digitalisierte Welt prägen vier zentrale Erfolgsmuster: Vernetzung, Partizipation, Offenheit und Agilität. Mit Hilfe dieser Verhaltensweisen können Geschäftsmodelle angepasst und Mitarbeiter geführt werden.

Ein Blick in die Unternehmen zeigt jedoch, dass der Alltag oft noch von starren, hierarchischen Organisationsformen geprägt ist, die kaum in der Lage sind, agil und offen auf Veränderungen zu reagieren und diese als Chance zu begreifen. Die aktuelle Diskussion etwa rund um das Thema Cloud oder die drastische Veränderung der Medien machen dies sehr deutlich.

Dazu ein kurzer Blick in die Geschichte – Hierarchie – woher kommt der Begriff eigentlich? “Hierarchie” stammt aus dem Altgriechischen und setzt sich zusammen aus den Wortteilen „hierós“ für „heilig“ (heilige Ordnung alter Männer) und „arché“ für „Anfang, Führung, Herrschaft“. Entstanden sind Hierarchien durch die Trennung von Hand- und Kopfarbeit, d.h. mit der Herausbildung von Religionen und der damit einhergehenden Priesterkaste. Um den sozialen Zusammenhalt zu gewährleisten und die für die meisten einfachen Handarbeiter nicht nachvollziehbaren geistigen Fähigkeiten bestimmter Menschen zu komplementieren, waren Hierarchien funktional. Hierarchien sind heute noch dort wichtig, wo es in Notsituationen darauf ankommt, schnell zu reagieren oder wo abgestufte Entscheidungssysteme für das Gesamtsystem noch funktional sind (z.B. Sport, Regie usw.). Der Kern solcher abgestufter Entscheidungssysteme ist, dass ein Mensch an der Spitze für alle die richtige Entscheidung trifft. Die Komplexität und Dynamik, mit der sich viele Organisation und sozialen Systeme heute auseinander setzen müssen, machen es immer unwahrscheinlicher, dass ein Mensch oben an der Spitze eine richtige Entscheidung trifft.

Bleibt die Überlegung, warum die „Führung heilig“ gesprochen wurde: Etwa, damit niemand am Führungsprinzip rütteln sollte? Oder weil die Aufgabe andere zu führen, eine heilige Verpflichtung darstellt?

Wie sowohl im Trend 2 „Umsatz ist die Sache aller Mitarbeiter“ als auch Trend 3 „Der Vertrieb braucht neue Rollen“ dargestellt, ist die traditionelle Vertriebsführung als auch die Führung der Vertriebsleiter durch die Unternehmensleitung kaum noch adäquat. Die Verlagerung der Macht zum Nachfrager dank digitaler Medien, wo Kunden in Netzwerken ihre Meinungen äußern – führt dazu, dass aus anbietergesteuerter Push- nachfragegesteuerte Pull-Märkte werden. Für Führungskräfte resultiert daraus ein Selbstverständnis, weniger vor Zudenken denn als Impulsgeber zu agieren. Anstatt das System nach althergebrachten Hierarchien zu steuern, ist es hilfreicher die autonome Eigendynamik des Systems rechtzeitig zu erkennen und zu antizipieren.

Daneben steigt die Unplanbarkeit immer stärker. Daher ist es für eine erfolgreiche Führungskraft heute unabdingbar, sich als Partner bei der Reflexion der Rahmenbedingungen und ihrer Auswirkungen auf das unternehmerische Handeln zu sehen. Die Führungskraft im digitalen Zeitalter dient weniger als Vorbild und Autorität, sondern eher als Berater und Mentor, der die Mitarbeiter bei ihrer persönlichen Entwicklung begleitet und unterstützt.

Autor: Dorette Dülsner

Bildnachweis: pixabay Bild silhouettes-81830